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Zur Verlobung

Das Herz so voll, der Kopf so leer,
Ich finde nichts als Worte;
Sie tanzen auf, sie taumeln her,
Und stets am falschen Orte.

Das find’t sich nicht, das reimt sich nicht;
Nur wirre Klagetöne.
Das gibt mir ewig kein Gedicht
An dich, du schlanke Schöne.

Du siehst, ich red’ auch nur von mir,
Statt deiner zu gedenken,
Wünsch’ weder Glück noch Segen dir,
Ich wollte dich beinah kränken.

Ich wollt’ . . . o Gott, nun geht’s nicht mehr,
Mein Aug’ quillt mächtig über:
Ich wollt’, daß ich ein Andrer wär
Und dir ein wenig lieber.

Frank Wedekind (1864 – 1918)